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Schulmathematik
„Es gibt schlechterdings gewisse Kenntnisse, die allgemein sein müssen, und noch mehr eine gewisse Bildung der Gesinnungen und des Charakters, die keinem fehlen darf. Jeder ist offenbar nur dann ein guter Handwerker, Kaufmann, Soldat und Geschäftsmann, wenn er an sich und ohne Hinsicht auf seinen besonderen Beruf ein guter, anständiger, seinem Stande nach aufgeklärter Mensch und Bürger ist. Gibt ihm der Schulunterricht, was hierfür erforderlich ist, so erwirbt er die besondere Fähigkeit seines Berufs nachher so leicht und behält immer die Freiheit, wie im Leben so oft geschieht, von einem zum andern überzugehen.“ (Wilhelm vom Humboldt)
Heute ist die Bildungspolitik davon überzeugt, dass gesellschaftliche und insbesondere berufliche Anforderungen nicht mehr allein aus der Eigenschaft bewältigt werden können, ein aufgeklärter Mensch und ein guter Bürger zu sein. Wenn Urteilfähigkeit und freie Bewertung von Informationen Bildungsziele sein sollen, ist es verwunderlich, dass die Vermittler*innen dieser Tugenden erklären müssen, Erlasse und Verfügungen der Bildungsbehörden streng zu beachten, ohne deren Sinnhaftigkeit in Frage zu stellen. Bildung muss heute – laut Vorgabe der Bildungsbehörden – Kompetenzen vermitteln, die auch im beruflichen Leben gefordert werden. Dieser Paradigmenwechsel hatte nach Meinung des Autors zur Folge, dass das Individuum nicht mehr zu seiner persönlichen Entfaltung kommen kann. In dieser Schrift soll es um die Frage gehen, welche Folgen der Wechsel von der persönlichen Entfaltung hin zur beruflichen Ausrichtung im Rahmen des schulischen Mathematikunterrichtes hat und wie der Zugang zur Mathematik durch Rückbesinnung auf die persönliche Entfaltung erleichtert und verbessert werden kann.
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